„Gesamtkonzept, Städtebau, Ortsbildliche Überlegungen“
Das Volumen für eine höhere Baute am Bahnhofplatz Rothrist setzt ein klares Zeichen für die Entwicklung des Ortszentrums. Es besteht aus einem winkelförmigen Sockelbau und einem 9-geschossigen Turm. Der Sockelbau umfasst den rückseitigen Aussenraum und schafft eine eindeutige Adressierung, lässt jedoch gleichzeitig einen Durchgang offen, der eine neue Verbindung zum angrenzenden Wohnquartier ermöglicht. Damit vernetzt das Projekt den Bahnhofplatz mit seiner Umgebung und öffnet sich bewusst in mehrere Richtungen.
Der Sockel mit publikumsorientierten Nutzungen vermittelt zum Stadtraum, greift den menschlichen Massstab auf und fasst den Platz räumlich. An der nordwestlichen Ecke steigert sich das Volumen zum Turm und bildet einen markanten Orientierungspunkt, der den Platz abschliesst und zugleich die Bedeutung des Standorts hervorhebt.
Das Erdgeschoss ist bewusst öffentlichen Nutzungen vorbehalten: ein Café, das den Bahnhofplatz belebt, lokales Gewerbe mit Schaufenstern, kleinteilige Angebote und eine Kita mit eigenem Aussenraum. Diese Mischung sorgt für ein lebendiges Zentrum, das tagsüber wie abends Frequenz und Vielfalt erzeugt.
Zum Hof hin bieten stille Gewerbe- und Büronutzungen Rückzugsmöglichkeiten und Flexibilität. Gleichzeitig bleibt die Nutzungsdurchmischung offen gedacht: Der Sockel erlaubt sowohl Gewerbe als auch Wohnen und reagiert damit auf veränderte wirtschaftliche Rahmenbedingungen und gesellschaftliche Bedürfnisse.
Die Volumetrie funktioniert eigenständig im heutigen heterogenen Umfeld, fügt sich aber ebenso in ein künftiges, verdichtetes Quartier ein. Als erster Baustein eines neuen Subzentrums rund um den Bahnhof versteht sich das Projekt als Katalysator, der Impulse über den unmittelbaren Perimeter hinaus setzt und die Entwicklung eines attraktiven, urbanen Zentrums in Rothrist anstösst.
„Freiraumkonzept“
Der Freiraum präsentiert sich als eine Dualität zwischen dem urbanen Raum des Bahnhofplatzes und der geplanten inneren Grünanlage für den Neubau. Der Bahnhofplatz als zentraler, allen zugänglicher Stadtraum besitzt einen ausgeprägten städtischen Charakter, der durch das Gewerbe und die Verknüpfung verschiedener Verkehrsmittel eine dynamische und wechselseitige Atmosphäre erhält.
Die Grünanlage des Projekts, die über zwei Passagen – im Norden überdacht, im Süden offen – erschlossen wird, öffnet sich zu einem grünen Außenraum, der Aufenthalt, Spiel- und Austauschräumen für die Bewohner des Neubaus und die Nachbarn des angrenzenden Quartiers gewidmet ist.
Auf beiden Seiten reagiert die Gestaltung des Freiraumes auf die Nutzung des Gebäudes im Erdgeschoss. In Richtung des Bahnhofplatzes werden die kommerziellen und geschäftlichen Nutzungen (Cafeteria, Apotheke, Supermarkt, Blumenladen usw.) für das allgemeine Publikum angeboten. Auf der Seite der Grünanlage sind es Büros, Ateliers und Dienstleistungen (z.B. Kita) mit geringerem Publikumsverkehr. Die Zugänge zu den Wohnungen und Büros erfolgen von der Grünanlage, die somit auch die Rolle der Adressierung übernimmt.
Der Grünanlage ist in drei Hauptbereiche gegliedert: Bereich Chaussierung unter Bäumen (Baumraster von Eschen): Verbunden mit den Büros im Erdgeschoss bildet es das Foyer für das Publikum und den Aufenthaltsbereich für die Bewohner. Der Kiesplatz ist der Ort, um sich im Schatten der Eschen zu treffen, auszuruhen und zu verweilen. Sitzbänke und Tische sind flexibel unter dem Baumraster angeordnet.
Bereich Spielplatz (kleine Lichtung im Gebüsch): In zwei Bereiche getrennt, eine kleine Zone, die exklusiv für die Kita genutzt werden kann, wird mit dem grossen Spielbereich verbunden. Der Spielplatz wird durch Kleinbäume und Strauchschichten von einheimischen Sorten leicht von den zentralen Spielwiese getrennt. Die naturnahe Gestaltung schlägt Spielausstattungen vor für diverse Altersgruppen und Zwecke (balancieren, klettern, verstecken, etc.).
Bereich zentrale Spielwiese (Blumenwiese): Eine grosszügige Blumenwiese erweitert sich zu den bestehenden Rasenflächen der benachbarten Siedlung. Die neue Wegführung rund um die Wiese sucht die Vernetzung mit den bestehenden und den künftig entstehenden Nachbarbauten. Auf der Wiese sind auch Ruhezonen unter Baumgruppen von Hainbuchen, Ahorn und Parrotien vorgesehen. Aktivzonen mit Tischtennis sind auch auf der Wiese geplant. Ein kleiner Pavillon wird als Begegnungsort für die Einwohner vorgeschlagen. Ein Ort zum Zusammentreffen und Feiern im Quartier.
Die Freiraumgestaltung besteht grösstenteils aus Grünflächen. Begrünte und unversiegelte Flächen werden bevorzugt. Als Pflasterung wird Kiesbelag (teilweise mit gebundenem Splitt) vorgeschlagen, um eine klimafreundliche Gestaltung zu gewährleisten. Um eine optimale Anpassung an die klimatischen Bedingungen zu ermöglichen, werden einheimische Pflanzenarten ausgewählt. Sofern die Bodenverhältnisse es zulassen, ist die Regenwassersickerung auf der Grundstücksoberfläche vorgesehen.
„Architektonisches Konzept“
Das Projekt setzt auf eine klare Organisation mit nur einem Treppenhaus, das den Kern der Erschliessung bildet und eine hohe Effizienz sowie Übersichtlichkeit ermöglicht. Die Adressierung der Zugänge ist dabei bewusst flexibel gedacht: Für die Wohnnutzung erfolgt der Zugang über die hofseitige Adresse, während das Park & Ride vom Bahnhofplatz erschlossen wird. Dadurch kann das Gebäude je nach Tageszeit oder Sicherheitsanforderung klar zoniert werden – etwa indem nachts der Zugang vom Platz ausschliesslich dem Park & Ride vorbehalten bleibt.
Der Sockelbau ist über eine Laubengangerschliessung organisiert. Hier orientieren sich die Wohnungen zum ruhigen Hof und profitieren von einer geschützten, grünen Atmosphäre. Gleichzeitig erlaubt der Sockel eine hohe Nutzungsvielfalt: Neben Wohnen können hier auch Büronutzungen realisiert werden. Dank kompakter Kernzonen ist eine flexible Unterteilung in Einheiten unterschiedlicher Grösse möglich, die auf unterschiedliche Bedürfnisse von Mietern oder zukünftige Anpassungen reagieren kann.
Der Turm ist als Vierspänner konzipiert. Alle Wohnungen sind über Eck angeordnet. Diese Anordnung garantiert nicht nur eine optimale Belichtung und Querlüftung, sondern auch einen vielseitigen Weitblick in die Umgebung – vom Bahnhofplatz über das Quartier bis in die weite Landschaft rund um Rothrist.
Das architektonische Konzept setzt stark auf hohe Nutzungsflexibilität. Die offene Fassadenstruktur ermöglicht langfristige Anpassungen und unterstreicht zugleich den identitätsstiftenden Charakter des Hauses. Jede Wohnung erhält eine individuelle Ausrichtung und adressbildende Aussenräume, die vielfältig gestaltet werden können. So entsteht ein Gebäude, das zugleich robust und wandelbar ist: ein Ort mit klarer architektonischer Struktur, aber auch mit der Offenheit, auf künftige Veränderungen im Quartier und auf dem Wohnungsmarkt reagieren zu können.
Standort: Rothrist
Auftraggeber: Privat
Studienaftrag 2025
